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Vergangene Frühjahrstagungen

  • 12. Juni 2017: Frühjahrstagung 2017

    • Nachbericht

      Wie geht es weiter mit der Gesundheitspolitik nach der Bundestagswahl am 24. September 2017? Manager der Gesundheitswirtschaft diskutierten darüber mit Bundes- und Landespolitikern bei der Frühjahrstagung der Gesundheitswirtschaft Rhein-Main.

      Was tun, um dem Hausarztmangel in ländlichen Regionen zu begegnen, fragte Moderator Friedrich Roeingh. Der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Ralf-Norbert Bartelt hält es für nötig, die ambulante Versorgung genau zu planen. Andernfalls würden noch mehr Ärzte in die Ballungsräume strömen. Deshalb sei in Hessen die Zahl der Zulassungsbezirke erhöht worden. Selbst der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Ruppert räumte ein, dass in ländlichen Regionen eine „gewisse Planung“ unvermeidbar sei. Für den SPD-Bundestagsabgeordneten Professor Dr. Karl Lauterbach ist das zu wenig. Er will die Bundesländer und die Kommunen in die Pflicht nehmen und ihnen mehr Verantwortung übertragen. Die grüne Bundestagsabgeordnete Cornelia Schulz-Asche favorisiert den 2011 geschlossenen Hessischen Gesundheitspakt. Er solle jungen Ärzten mit Hilfe von Subventionen die Niederlassung auf dem Dorf schmackhaft machen.

      Schulz-Asche kann sich auch vorstellen, dass Krankenhäuser in ländlichen Regionen Hausärzte anstellen und zentrale Notfall-Portale einrichten – womit auch schon die Frage nach der ambulant-stationären Vernetzung bei diesem derzeit höchst umstrittenen Thema aus Grünensicht beantwortet wäre. CDU-Politiker Bartelt rät zu einer Informationskampagne für den ärztlichen Notdienst, der – kaum bekannt – unter der Telefonnummer 116 117 erreicht werden kann. Außerdem müssten Krankenhäuser für Notfälle besser bezahlt werden. Die Selbstverwaltung könne Lösungen finden, der Hessische Sozialminister Grüttner habe sich dafür erfolgreich engagiert, so Bartelt.

      Natürlich ging es bei der Frühjahrstagung auch ums Geld. Warum ziehen die Kliniken eigentlich nicht vor Gericht, obwohl sie doch seit Jahren von den Ländern zu wenig Geld für Investitionen bekommen, fragte Moderator Roeingh? Leider beantwortete diese einfache Frage keiner der Anwesenden. Bartelt verwies darauf, dass Hessen seinen Verpflichtungen wenngleich auch nicht vollständig, so doch zumindest besser nachkomme, als andere Bundesländer. Außerdem habe Hessen auf Pauschalförderung umgestellt. Dadurch können die Krankenhäuser besser planen. Schulz-Asche fand das auch gut, verlangte aber objektivierbare Daten darüber, wie viele Krankenhäuser nötig sind.

      Und wo stehen wir beim Thema Qualität, fragte Moderator Roeingh? Wann bekommen wir hier mehr Transparenz? Karl Lauterbach verwies auf das neue Institut IQTIG (Institut für Gesundheitssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen), das darauf Antworten finden soll. Ob dabei am Ende konkretere Ergebnisse zu erwarten sind als beim Pflege- TÜV, der allgemein als Misserfolg gewertet wird und 2019 durch ein anderes Messsystem ersetzt werden soll, ist nach Meinung vieler Teilnehmer der Veranstaltung eher fraglich.

      Versorger je nach Qualität mit Zu- und Abschlägen zu honorieren, hält CDU-Politiker Bartelt für gut. Dies allein an der Menge der Behandlungen festzumachen sei allerdings falsch. Schulz-Asche warnte davor, kleine Krankenhäuser zu bestrafen, die nicht die höchste Qualität liefern könnten. Sinnvoller seien Lösungsansätze, die auch regionale Gesichtspunkte und Wünsche der Patienten berücksichtigten. Lauterbach hält davon nichts. Kliniken müssten einen Zuschlag für ihre Kernversorgungsbereiche bekommen.

      Natürlich durfte auch das Top-Thema Digitalisierung nicht fehlen. FDP-Politiker Ruppert plädierte für sicheren Datentransfer sowie die Möglichkeit, die Daten den Versicherten zugänglich zu machen. Ruppert und Bartelt betonten die wirtschaftlichen Vorteile der Digitalisierung für das Gesundheitssystem. Auch Schulz-Asche begrüßte die Entwicklung von E-Health und elektronischer Patientenakte. Der Einsatz von Telemedizin sei nicht nur zeitgemäß und längst überfällig, sondern biete neue Lösungen und Qualitätsstandards. Sie bemängelte aber auch die halbherzige Digitalisierung am Beispiel des Medikationsplans. Dieser werde beim Apotheker ausgedruckt und von Hand beschrieben.

      Ein Dauerbrenner in der Gesundheitspolitik ist nach wie vor die private Krankenversicherung. Zumindest für die SPD im Bundestagswahlkampf. So ließ es sich Professor Karl Lauterbach, Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, auch nicht nehmen, bei der Frühjahrstagung eine Lanze für eine Bürgerversicherung und eine einheitliche Honorarordnung zu brechen. Die Frage von Florian Gerster nach den Auswirkungen auf die Zusatzversicherung von Beamten in Deutschland in einem solchen Fall blieb unbeantwortet.

      Einen detaillierteren Bericht finden Sie in der Broschüre "im dialog 7".

    • Referenten

      • Dr. Ralf-Norbert Bartelt,
        MdL, Stv. Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag

      • Dr. Peter Heinz,
        Vorsitzender des Vorstandes, Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz

      • Prof. Dr. Karl Lauterbach,
        MdB, Stv. Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion

      • Frank Lucaßen,
        Executive Vice President und Geschäftsführer, Fresenius Kabi Deutschland GmbH

      • Ralf Metzger,
        Hauptabteilungsleiter Unternehmenspolitik/ -kommunikation, AOK Hessen

      • Dr. Stefan Ruppert,
        Landesvorsitzender der FDP Hessen

      • Kordula Schulz-Asche,
        MdB, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, Bündnis 90/Die Grünen

      • Prof. Dr. Babette Simon,
        Vorstandsvorsitzende und Medizinischer Vorstand, Universitätsmedizin Mainz

    • Sponsoren

    • Presse

      Ärzte Zeitung, 21. Juni 2017
      Nach der Wahl sind neue Strategien gefragt

      "Bedarfsplanung, Nachwuchsgewinnung, Kliniklandschaft: Bei ihrer Frühjahrstagung hat die Gesundheitswirtschaft Rhein-Main Politiker auf ihre Pläne für die nächste Legislaturperiode abgeklopft."
      ZUM ARTIKEL

      Ärzte Zeitung, 14. Juni 2017
      Ab aufs Land? Zwang ist keine Lösung

      "Wie können junge Ärzte für den ländlichen Raum gewonnen werden? Eine Frage, zu der die hessische Gesundheitswirtschaft gut drei Monate vor der Wahl Politiker befragt hat."
      ZUM ARTIKEL

       

Vergangene medlounge rhein-main

  • 13. März 2018: medlounge "Qualitätskriterien in der Kranken- und Altenpflege - neue Wege gehen?"

    • Programm

      18:00 Uhr

      Empfang

      18:20 Uhr

      Begrüßung

      • Medical Network, Gastgeber
      • Florian Gerster, Staatsminister a.D., Vorsitzender Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v.
      18:30 Uhr

      Keynote

      Dr. Christof Veit, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG)

      Michael Burkhart, Partner & Industryleader Healthcare & Pharma, PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

      Monder Kassem, Leiter Personalentwicklung, Alloheim Senioren-Residenzen SE

      19:00 Uhr

      Podiumsdiskussion

      • Michael Burkhart, Leiter Gesundheitswesen und Pharma, PricewaterhouseCoopers GmbH
      • Prof. Dr. med. Wolfgang Daecke, Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Klinikum Frankfurt Höchst
      • Ulrich Jung, Geschäftsführer, Kerckhoff Klinik GmbH
      • Monder Kassem, Leiter Personalentwicklung, Alloheim Senioren-Residenzen SE
      • Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Menzel, Vorstand Krankenversorgung, Sprecher des Vorstandes, Klinikum Fulda gAG
      • Jochen Metzner, Referatsleiter Krankenhausversorgung, Hessisches Ministerium für Soziales und Integration
      • Dr. Christof Veit, Leiter des Instituts für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen (IQTIG)
      19:45 Uhr

      Publikumsfragen

      20:00 Uhr

      Get-together

  • 12. Dezember 2017: medlounge "Bürokratie im Gesundheitswesen und Möglichkeiten der Deregulierung"

    • Nachbericht

      Bürokratie ist an vielen Stellen sinnvoll und notwendig. Doch gerade im Gesundheitswesen mehren sich Stimmen, die davor warnen, in Dokumentationsverpflichtungen zu versinken und so der eigentlichen Arbeit – dem Dienst am Menschen – nicht mehr nachkommen zu können. Die von der Bank für Sozialwirtschaft unterstützte und Professor Boris Augurzky, Institute for Health Care Business GmbH, erarbeitete Studie der gwrm (verlinken) bestätigte diesen Eindruck. Aus den Ergebnissen formulierten die Autoren Forderungen an die Politik, aber auch an Leistungserbringer, um die überbordende Bürokratie einzudämmen und abzubauen. Dies bot Zündstoff für eine spannende Diskussion. Daran beteiligt: Professor Augurzky, Dr Tobias Kaltenbach, Geschäftsführer der Kliniken des Main-Taunus-Kreises GmbH, Professor Harald Schmitz, Vorstandsvorsitzender der Bank für Sozialwirtschaft AG, und Volker Heuzeroth, Geschäftsführer der Fachärzte Rhein-Main, bei der medlounge am 12. Dezember im Universitätsklinikum Frankfurt.

      Während medizinische Qualitätsstandards in den 80er Jahren noch ein Tabu-Thema waren, müssen Kliniken heute zu 250 Qualitätsindikatoren vierteljährlich Bericht erstatten, erklärte Dr. Kaltenbach. Das mache für ein durchschnittliches Krankenhaus rund 6.000 Fälle im Jahr. Auch Professor Schmitz stellte fest, dass die Formularflut In vielen Branchen größer geworden ist. „Es ist offensichtlich, dass Digitalisierung einen wichtigen Beitrag zur Verschlankung der Abläufe beitragen kann und muss. Eine Digitalisierung der Prozesse svermeidet auch im Gesundheitswesen Kosten und erleichtert die Abläufe“, schlussfolgerte Schmitz.

      Ein großes Problem sehen alle Beteiligten in der Schnittstelle ambulant-stationär. „Es herrscht aufgrund der geltenden Regeln viel Misstrauen zwischen Ärzten und Krankenhäusern, jeder sichert sich in alle Richtungen ab“, berichtete Volker Heuzeroth. „Daten liegen uns ja vor, es fehlt aber der Mut, Mauern einzureißen. Könnten wir unbeschwert zusammenarbeiten, wäre alles viel einfacher – und vor allem im Sinne des Patienten.“

      Eine ungünstige Gemengelage sieht Dr. Kaltenbach auch darin, dass Krankenhaus-Führung, also Finanzen, und Qualitätsmanagement meist in einer Hand liegen: „Hier müssen die Interessenslagen entkoppelt werden. Die versuchten Anreize zur Qualitätssteigerung durch Sanktionen gehen nach hinten los.“ Für ihn braucht es „einen Paradigmenwechsel und eine Rückbesinnung auf die eigentlich entscheidenden Themen. Der Fachkräftemangel wird uns fundamental treffen. Ich sage Ihnen: Wir werden in zehn Jahren nicht mehr über Sektorengrenzen sprechen – da haben wir ganz andere Probleme.“

      Professor Augurzky bestätigt diese Tendenz, sieht darin jedoch auch eine Chance: „Die Regeln sind nun da, viele von ihnen werden aber vor den kommenden Herausforderungen immer weniger wichtig werden.“ Die Agenda in Berlin für die kommenden Jahre sieht er als gesetzt. „Es ist egal, wer das Rennen macht – Jamaika, Groko oder Schwarz-Grün: Die Digitalisierung wird kommen, die elektronische Patientenakte wird kommen, Investitionsfinanzierung wird ein Thema sein, ebenso wie die Notfallversorgung. Und wenn dann noch unsere Forderungen berücksichtigt werden, kann nicht mehr viel schiefgehen!“

    • Programm

      18:00 Uhr

      Empfang

      18:30 Uhr

      Begrüßung

      Prof. Dr. Jürgen Graf, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender, Univisitätsklinikum Frankfurt am Main

      Prof. Dr. Harald Schmitz, Vorsitzender des Vorstandes, Bank für Sozialwirtschaft AG

      Dr. Florian Gerster, Vorsitzender Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v., Frankfurt a. M.

      18:45 Uhr

      Keynote

      • Präsentation der Studienergebnisse durch Professor Augurzky
      • Erste Einschätzung aus Konzern-Sicht durch Dr. Kaltenbach

      Prof. Dr. Boris Augurzky, Geschäftsführer, Institute for Health Care Business GmbH, Essen

      Dr. Tobias Kaltenbach, Geschäftsführer, Kliniken des Main-Taunus-Kreises GmbH, Vorstandsmitglied der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v.

      19:15 Uhr

      Podiumsdiskussion

      Hier diskutieren über die Ergebnisse und Deregulierungs-Möglichkeiten:

      • Prof. Dr. Boris Augurzky, Geschäftsführer, Institute for Health Care Business GmbH, Essen
      • Volker Heuzeroth, Geschäftsführer, Fachärzte Rhein-Main und LAOH
      • Dr. Tobias Kaltenbach, Geschäftsführer, Kliniken des Main-Taunus-Kreises GmbH, Vorstandsmitglied der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v.
      • Harald Schmitz, Vorstandsvorsitzender, Bank für Sozialwirtschaft AG
      19:45 Uhr

      Publikumsfragen

      20:00 Uhr

      Get-together

  • 24. April 2017: medlounge "Hessens Notfallversorgung - selbst ein Notfall?"

    • Programm

      18:00 Uhr

      Empfang

      18:30 Uhr

      Begrüßung

      Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der BARMER Hessen

      Dr. Florian Gerster, Vorsitzender Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v., Frankfurt a. M.

      18:40 Uhr

      Keynote

      Prof. Dr. Thomas Krafft, Faculty of Health, Medicine and Life Sciences, Maastricht University

      19:10 Uhr

      Paneldiskussion

      • Dr. Ralf Ackermann, Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Hessen
      • Frank Dastych, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen
      • Dr. Tobias Kaltenbach, Kaufmännischer Geschäftsführer der Kliniken des Main-Taunus Kreises
      • Jochen Metzner, Referatsleiter Krankenhausversorgung im Hessischen Sozialministerium
      • Norbert Sudhoff, Landesgeschäftsführer der BARMER Hessen
      • Moderation: Detlef Hans Franke, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied, Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v.
      20:00 Uhr

      Publikumsdiskussion

      20:15 Uhr

      Get-together

    • Referenten

      • Dr. Ralf Ackermann,
        Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Hessen

      • Frank Dastych,
        Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen, Frankfurt a. M.

      • Dr. Tobias Kaltenbach,
        Geschäftsführer, Kliniken des Main-Taunus-Kreises GmbH, Vorstandsmitglied der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v.

      • Prof. Dr. Thomas Krafft,
        Faculty of Health, Medicine and Life Sciences, Maastricht University

      • Jochen Metzner,
        Hessisches Ministerium für Soziales und Integration, Leiter des Referats Krankenhausversorgung, Gesundheits- und Krankenpflege

      • Norbert Sudhoff,
        Landesgeschäftsführer der BARMER Hessen

    • Presse

      Ärzte Zeitung, 26. April 2017
      Stärkere Triage bei Notfallversorgung

      "Um die Notfallversorgung tobt in Hessen seit langem Streit. In Frankfurt gaben sich Verantwortliche nun konstruktiv – und präsentierten mögliche Lösungen."
      ZUM ARTIKEL

      Frankfurter Rundschau, 26. April 2017
      Lotsen für medizinische Notfälle

      "Die medizinische Notfallversorgung ist in der Krise. Experten diskutieren Lösungen für die vollen Notfallambulanzen."
      ZUM ARTIKEL

       

  • 16. Februar 2017: Anti-Korruptionsrecht und Compliance im Gesundheitswesen

    • Nachbericht

      Krankenhäuser, Ärzte sowie Unternehmen der Pharma- und Medizintechnikbranche sind nicht weniger anfällig für Korruption, als Verantwortliche in der übrigen Wirtschaft. Waren früher kleine Geschenke und Einladungen in Unternehmen gang und gäbe, so werden die Vorschriften inzwischen immer strenger. Im Juni 2016 hat der Gesetzgeber mit dem neuen Anti-Korruptionsgesetz für Heilberufe die gesetzlichen Rahmenbedingungen weiter verschärft. Am 16. Februar diskutierten Experten aus der Gesundheitswirtschaft und Alexander Badle, Oberstaatsanwalt der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main, über das Anti-Korruptionsgesetz. 110 Teilnehmer waren der Einladung der gwrm in die Räume der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen gefolgt. Für die meisten der Anwesenden stand schon zu Beginn der Veranstaltung fest, dass die Gesundheitswirtschaft ein Strafrecht gegen Korruption brauche. In einer Umfrage der Initiative stimmten 77 Prozent der Teilnehmer dafür, zehn Prozent dagegen, 13 Prozent waren noch unentschlossen.

      Florian Gerster, Vorsitzender der gwrm, merkte zu Beginn an, dass die „Schockstarre“ vor allem bei den Krankenhäusern und Ärzten deutlich zu spüren sei. Er sprach sich dafür aus, nicht jede Kooperation automatisch unter Korruptionsverdacht zu stellen. Zusammenarbeit müsse auch künftig möglich sein.

      Krankenhäuser schlecht vorbereitet
      Alexander Badle sah den größten Nachholbedarf bei Krankenhäusern. Pharmaunternehmen hätten dagegen frühzeitig reagiert und gegengesteuert. Der Oberstaatsanwalt machte deutlich, dass die neuen Straftatbestände lediglich schärfere Sanktionen brächten. „Wer in der Vergangenheit regelkonform gehandelt hat, muss heute nichts befürchten.“

      Ziel des neuen Gesetzes sei der Schutz des fairen Wettbewerbs im Gesundheitsmarkt. „Darauf hat die Juristerei reagiert“, erklärte der Leiter der bundesweit ersten Zentralstelle zur Bekämpfung von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen. „Alle hatten genügend Zeit sich vorzubereiten, denn die Diskussionen laufen bereits seit zehn Jahren.“

      Wichtig sei nun vor allem mehr Transparenz und ein stärkeres Problembewusstsein. Konkret heißt das: Alt-Verträge prüfen, Compliance stärken und Umgehungsstrategien vermeiden. Ein „Allheilmittel“ gebe es nicht.

      Compliance wichtiger denn je
      Diese Aspekte griffen die Teilnehmer der Podiumsdiskussion auf. In vielen Punkten stimmten sie mit Alexander Badle überein. Dr. Tanja Wolber-Josch, Healthcare Compliance Officer Deutschland bei Boehringer Ingelheim, bestätigte, dass schon vor Inkrafttreten des Gesetzes Pharmaunternehmen „Leitplanken“, sogenannte Branchen-Codizes, entwickelten. Jeder Vertrag durchlaufe bei Boehringer Ingelheim eine Complianceprüfung. Als Mitglied der Freiwilligen Selbstkontrolle für die Arzneimittelindustrie e.V., unterstützt der Konzern das seit 2004 geltende Regelwerk für die Zusammenarbeit zwischen Pharma und Arzt. Zudem lege ein eigens entwickelter Transparenzkodex seit einigen Jahren Zahlungen an Ärzte und Kliniken offen.

      Der Geschäftsführer des Krankenhauses Nordwest, Tobias Gottschalk, betonte, dass die Pharmabranche verantwortlich für das neue Gesetz sei, Kliniken aber am schlechtesten auf die neuen Regelungen vorbereitet waren. Dennoch sieht Gottschalk im Anti-Korruptionsgesetz auch eine Chance: „Der Staat hat durch das Gesetz eine Schutzfunktion für den Patienten geschaffen.“ Es helfe Ärzte zu sensibilisieren und werte die Compliance-Abteilungen auf. Im Krankenhaus Nordwest habe man in diesem Bereich bereits Personal aufgestockt und entwickle ein eigenes Compliance-System.

      „Ich war überrascht von der Sturmflut die das neue Gesetz in der Krankenhauslandschaft ausgelöst hat“, erklärte Dr. Robert Porcher, Berater bei CompCor Compliance Solutions. „Es steht bereits alles im ärztlichen Berufsrecht. Da hätte es eines neuen Strafrechts gar nicht bedurft.“ Die Gesundheitswirtschaft müsse nun damit zurechtkommen. Fachliche Beratung könne helfen. Der Experte bekräftigte: „Niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser können trotz Antikorruptionsgesetz kooperieren. Bezahlte Leistungen müssen aber transparent sein.“

    • Programm

      18:30 Uhr

      Empfang

      19:00 Uhr

      Begrüßung

      Jörg Hoffmann, Geschäftsführer der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen

      Dr. Florian Gerster, Vorsitzender Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v., Frankfurt a. M.

      19:10 Uhr

      Keynote

      Alexander Badle, Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Leiter der bundesweit ersten Zentralstelle zur Bekämpfung von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen.

      19:30 Uhr

      Podiumsdiskussion

      • Alexander Badle
        Oberstaatsanwalt
      • Dr. Robert Porcher
        CompCor Compliance Solutions GmbH & Co KG, Frankfurt am Main
      • Tobias Gottschalk
        Geschäftsführer, Krankenhaus Nordwest GmbH, Frankfurt am Main
      • Dr. Tanja Wolber-Josch
        Healthcare Compliance Officer Deutschland bei Boehrinher Ingelheim
      20:00 Uhr

      Publikumsfragen

      20:15 Uhr

      Get-together

    • Referenten

      • Alexander Badle,
        Oberstaatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt. Leiter der bundesweit ersten Zentralstelle zur Bekämpfung von Vermögensstraftaten und Korruption im Gesundheitswesen.

      • Dr. Florian Gerster,
        Vorsitzender Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v., Frankfurt a. M.

      • Tobias Gottschalk,
        Geschäftsführer, Krankenhaus Nordwest GmbH

      • Dr. Robert Porcher,
        CompCor Compliance Solutions GmbH & Co. KG

      • Dr. Tanja Wolber-Josch,
        Rechtsanwältin, Healthcare Compliance Officer Deutschland bei Boehringer Ingelheim