Gesundheits­versorgung 2020 auf dem Prüfstand

27. April 2020

Beurteilung des Gesundheitswesens in der Metropolregion Rhein-Main

Bei der Bewertung der Qualität von verschiedenen Einrichtungen des Gesundheitswesens erhalten Hausärzte und Facharztpraxen mit 2,4 bzw. 2,5 die durchschnittlich besten Noten für ihre Behandlungsqualität im Hinblick auf medizinische, pflegerische und therapeutische Versorgung. Am schlechtesten schneiden hier die stationären Pflegeheime ab. Sie erreichen lediglich eine Durchschnittsnote von 3,2.

Betrachtet man darüber hinaus einzelne Aspekte der Servicequalität, zeigt sich ein ähnliches Bild. Hinsichtlich Freundlichkeit der Mitarbeiter und Sprechzeiten schneiden ebenfalls die Hausärzte am besten ab. In puncto Hygiene erreichen dagegen ambulante Pflegedienste die beste Bewertung. Stationäre Pflegeheime liegen in allen Bereichen auf dem letzten Platz. Besonders schlecht wird in diesen Einrichtungen die Verpflegung bewertet (Note 3,1). Aber auch die Krankenhäuser geben in dieser Kategorie kein gutes Bild ab (Note 3,0. Im Hinblick auf die räumliche Entfernung und Erreichbarkeit schneiden Krankenhäuser (Note 2,3) in der Metropolregion dagegen besser ab als Facharztpraxen (Note 2,6). Am besten erreichbar sind die Hausärzte (Note 1,9).

Politischer Handlungsbedarf

Um eine angemessene medizinische Versorgung der Menschen in der Rhein-Main-Region sicherzustellen, sind aus Sicht der Bevölkerung vor allem Maßnahmen zur hausärztlichen Versorgung im ländlichen Raum, eine solide finanziellen Ausstattung von Krankenhäusern sowie die Stärkung der Patientensicherheit gleichermaßen wichtig. Defizite sehen hier vor allem Ältere sowie die Menschen im ländlichen Raum. Für mehr als die Hälfte der Bevölkerung zählen aber auch die schnelle Terminvergabe bei Fachärzten, die Stärkung der Attraktivität von Medizin- und Pflegeberufen sowie die Förderung von Forschung und Innovationen zu wichtigen landespolitischen Aufgaben des Gesundheitsbereiches.

Versorgungssicherheit

Etwa jeder Fünfte aus der Rhein-Main-Region musste in den letzten 12 Monaten schon einmal länger auf ein verordnetes Medikament warten. Damit eine verlässliche Versorgung mit Medikamenten sichergestellt werden kann, ist aus Sicht der Bevölkerung vor allem eine staatliche Kontrolle von Wirksamkeit, Nutzen und Sicherheit neuer Arzneimittel wichtig. Mehr als die Hälfte hält darüber hinaus eine ausreichende Anzahl von Apotheken für erforderlich. Aber auch Forschung und Förderung von Innovationen werden von etwa der Hälfte der Befragten als sehr wichtig angesehen, um die Medikamentenversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten.

Attraktivität von Gesundheitsberufen

Verwaltungsberufe zählen im Gesundheitssektor zu den eher unattraktiven Tätigkeiten. Deutlich interessanter sind neben Arzt und Apotheker insbesondere technische, forschende und lehrende Berufe. Als völlig unattraktiv gelten Pflegeberufe.

Digitale Serviceangebote

Für die Befragten in der Metropolregion Rhein-Main gehört die persönliche digitale Patientenakte nicht zu den digitalen Top-Angeboten. Eher können sie sich mit der Online-Vergabe von Terminen oder auch der Kommunikation mit Ärzten und Krankenkassen über Email und Apps anfreunden. In digitalen Therapieangeboten oder Videosprechstunden scheinen die Befragten dagegen kaum einen Nutzen zu sehen.

Lebenswerte

Für mehr als jeden zweiten Befragten ist die persönliche Gesundheit das Wichtigste im Leben. Erst mit großem Abstand folgen Partnerschaft und soziales Umfeld. Sehr wichtig ist die Gesundheit nicht für 60 Prozent der Senioren. Durchweg alle Altersgruppen sehen sie als Priorität Nummer eins. Dieser Befund unterstreicht die überragende gesellschaftliche und politische Bedeutung einer guten Gesundheitsversorgung.

 

Zur Studie:

Für die Studie wurden im Mai 2019 500 und im Februar 2020 1.000 Bewohnerinnen und Bewohner der Metropolregion Rhein-Main im Alter ab 18 Jahren im Rahmen eines online-Panels zu Ihrer Einschätzung des Gesundheitswesens und der Qualität der Angebote befragt. Die Stichprobe gibt Auskünfte über politische, wirtschaftliche, rechtliche und organisatorische Themen in der Gesundheitsbranche.

 

Quelle: Gesundheitsversorgung 2020 auf dem Prüfstand. Gesundheitswirtschaft Rhein-Main 2020.

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