Frühjahrstagung

Unsere jährlich stattfindende Frühjahrstagung steht traditionell im Zeichen der Gesundheitspolitik. Dazu laden wir hochkarätige Referenten und Politiker ein. Mit jeweils 150 bis 200 Teilnehmern dient sie Entscheidern aus Politik, Wirtschaft und Verbänden als Plattform des Austauschs und der Kontaktpflege.

12. Juni 2017: Frühjahrstagung 2017

"Gesundheitspolitik in der nächsten Wahlperiode. Wie viel Reform?"

Einen Rückblick auf die Veranstaltung vom 12. Juni 2017 finden Sie in der Rubrik "Nachbericht" und in unserer aktuellen Broschüre "im dialog7".

12. Juni 2017
Accenture Deutschland, Campus Kronberg 1, 61476 Kronberg im Taunus
um 15:00 Uhr;
Normal: 75 Euro Eintritt
Ermäßigt: 45 Euro Eintritt

  • Nachbericht

    Wie geht es weiter mit der Gesundheitspolitik nach der Bundestagswahl am 24. September 2017? Manager der Gesundheitswirtschaft diskutierten darüber mit Bundes- und Landespolitikern bei der Frühjahrstagung der Gesundheitswirtschaft Rhein-Main.

    Was tun, um dem Hausarztmangel in ländlichen Regionen zu begegnen, fragte Moderator Friedrich Roeingh. Der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Ralf-Norbert Bartelt hält es für nötig, die ambulante Versorgung genau zu planen. Andernfalls würden noch mehr Ärzte in die Ballungsräume strömen. Deshalb sei in Hessen die Zahl der Zulassungsbezirke erhöht worden. Selbst der FDP-Landtagsabgeordnete Dr. Stefan Ruppert räumte ein, dass in ländlichen Regionen eine „gewisse Planung“ unvermeidbar sei. Für den SPD-Bundestagsabgeordneten Professor Dr. Karl Lauterbach ist das zu wenig. Er will die Bundesländer und die Kommunen in die Pflicht nehmen und ihnen mehr Verantwortung übertragen. Die grüne Bundestagsabgeordnete Cornelia Schulz-Asche favorisiert den 2011 geschlossenen Hessischen Gesundheitspakt. Er solle jungen Ärzten mit Hilfe von Subventionen die Niederlassung auf dem Dorf schmackhaft machen.

    Schulz-Asche kann sich auch vorstellen, dass Krankenhäuser in ländlichen Regionen Hausärzte anstellen und zentrale Notfall-Portale einrichten – womit auch schon die Frage nach der ambulant-stationären Vernetzung bei diesem derzeit höchst umstrittenen Thema aus Grünensicht beantwortet wäre. CDU-Politiker Bartelt rät zu einer Informationskampagne für den ärztlichen Notdienst, der – kaum bekannt – unter der Telefonnummer 116 117 erreicht werden kann. Außerdem müssten Krankenhäuser für Notfälle besser bezahlt werden. Die Selbstverwaltung könne Lösungen finden, der Hessische Sozialminister Grüttner habe sich dafür erfolgreich engagiert, so Bartelt.

    Natürlich ging es bei der Frühjahrstagung auch ums Geld. Warum ziehen die Kliniken eigentlich nicht vor Gericht, obwohl sie doch seit Jahren von den Ländern zu wenig Geld für Investitionen bekommen, fragte Moderator Roeingh? Leider beantwortete diese einfache Frage keiner der Anwesenden. Bartelt verwies darauf, dass Hessen seinen Verpflichtungen wenngleich auch nicht vollständig, so doch zumindest besser nachkomme, als andere Bundesländer. Außerdem habe Hessen auf Pauschalförderung umgestellt. Dadurch können die Krankenhäuser besser planen. Schulz-Asche fand das auch gut, verlangte aber objektivierbare Daten darüber, wie viele Krankenhäuser nötig sind.

    Und wo stehen wir beim Thema Qualität, fragte Moderator Roeingh? Wann bekommen wir hier mehr Transparenz? Karl Lauterbach verwies auf das neue Institut IQTIG (Institut für Gesundheitssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen), das darauf Antworten finden soll. Ob dabei am Ende konkretere Ergebnisse zu erwarten sind als beim Pflege- TÜV, der allgemein als Misserfolg gewertet wird und 2019 durch ein anderes Messsystem ersetzt werden soll, ist nach Meinung vieler Teilnehmer der Veranstaltung eher fraglich.

    Versorger je nach Qualität mit Zu- und Abschlägen zu honorieren, hält CDU-Politiker Bartelt für gut. Dies allein an der Menge der Behandlungen festzumachen sei allerdings falsch. Schulz-Asche warnte davor, kleine Krankenhäuser zu bestrafen, die nicht die höchste Qualität liefern könnten. Sinnvoller seien Lösungsansätze, die auch regionale Gesichtspunkte und Wünsche der Patienten berücksichtigten. Lauterbach hält davon nichts. Kliniken müssten einen Zuschlag für ihre Kernversorgungsbereiche bekommen.

    Natürlich durfte auch das Top-Thema Digitalisierung nicht fehlen. FDP-Politiker Ruppert plädierte für sicheren Datentransfer sowie die Möglichkeit, die Daten den Versicherten zugänglich zu machen. Ruppert und Bartelt betonten die wirtschaftlichen Vorteile der Digitalisierung für das Gesundheitssystem. Auch Schulz-Asche begrüßte die Entwicklung von E-Health und elektronischer Patientenakte. Der Einsatz von Telemedizin sei nicht nur zeitgemäß und längst überfällig, sondern biete neue Lösungen und Qualitätsstandards. Sie bemängelte aber auch die halbherzige Digitalisierung am Beispiel des Medikationsplans. Dieser werde beim Apotheker ausgedruckt und von Hand beschrieben.

    Ein Dauerbrenner in der Gesundheitspolitik ist nach wie vor die private Krankenversicherung. Zumindest für die SPD im Bundestagswahlkampf. So ließ es sich Professor Karl Lauterbach, Stellvertretender Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, auch nicht nehmen, bei der Frühjahrstagung eine Lanze für eine Bürgerversicherung und eine einheitliche Honorarordnung zu brechen. Die Frage von Florian Gerster nach den Auswirkungen auf die Zusatzversicherung von Beamten in Deutschland in einem solchen Fall blieb unbeantwortet.

    Einen detaillierteren Bericht finden Sie in der Broschüre "im dialog 7".

  • Referenten

    • Dr. Ralf-Norbert Bartelt,
      MdL, Stv. Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag

    • Dr. Peter Heinz,
      Vorsitzender des Vorstandes, Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz

    • Prof. Dr. Karl Lauterbach,
      MdB, Stv. Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion

    • Frank Lucaßen,
      Executive Vice President und Geschäftsführer, Fresenius Kabi Deutschland GmbH

    • Ralf Metzger,
      Hauptabteilungsleiter Unternehmenspolitik/ -kommunikation, AOK Hessen

    • Dr. Stefan Ruppert,
      Landesvorsitzender der FDP Hessen

    • Kordula Schulz-Asche,
      MdB, Mitglied im Ausschuss für Gesundheit, Bündnis 90/Die Grünen

    • Prof. Dr. Babette Simon,
      Vorstandsvorsitzende und Medizinischer Vorstand, Universitätsmedizin Mainz

  • Sponsoren

  • Presse

    Ärzte Zeitung, 21. Juni 2017
    Nach der Wahl sind neue Strategien gefragt

    "Bedarfsplanung, Nachwuchsgewinnung, Kliniklandschaft: Bei ihrer Frühjahrstagung hat die Gesundheitswirtschaft Rhein-Main Politiker auf ihre Pläne für die nächste Legislaturperiode abgeklopft."
    ZUM ARTIKEL

    Ärzte Zeitung, 14. Juni 2017
    Ab aufs Land? Zwang ist keine Lösung

    "Wie können junge Ärzte für den ländlichen Raum gewonnen werden? Eine Frage, zu der die hessische Gesundheitswirtschaft gut drei Monate vor der Wahl Politiker befragt hat."
    ZUM ARTIKEL