Telemedizin
Telemedizin
Die Möglichkeiten der Telemedizin werden nach wie vor nur in Ansätzen ausgeschöpft, verstreute Insellösungen prägen das Bild in der gesamten Bundesrepublik. Gefordert werden flächendeckende Standards, geeignete Rahmenbedingungen vor allem in Bezug auf den Datenschutz sowie Finanzierungslösungen für telemedizinische Leistungen, so das Fazit der medlounge zum Thema „Telemedizin – Wie viel Vernetzung braucht das Gesundheitswesen?“ im Schloss Waldthausen bei Mainz am 2. Juli 2009.

Langfristig führt an der Telemedizin kein Weg vorbei, da ist sich Holger Strehlau, Sprecher der Geschäftsführung HSK Rhein-Main GmbH und Präsident der Hessischen Krankenhausgesellschaft e.V., sicher. Der Grund: zu wenig Geld für immer mehr Patienten. Ein weiteres Problem, das es in Zukunft zu lösen gilt: Der Ärztemangel. „Die Politik wird künftig Regelungen schaffen, die beispielsweise die neurologische Versorgung ganzer Regionen durch ein Konsortium von Leistungsanbietern vorsehen. Hierfür ist der Austausch von Befunden und Daten mittels Telemedizin notwendig“, so Strehlau. Schon jetzt müssten viele der Patienten nicht in ein Krankenhaus, wenn sie durch Telemonitoring betreut würden. „Was wir brauchen ist ein standardisierter, qualifizierter Austausch von Daten“, betonte Strehlau. Professor Peter Mildenberger, Geschäftsführer GeSIT GmbH, kritisierte diesbezüglich die bestehenden Brüche in der Datenübertragung. In Deutschland fehle immer noch die notwendige Infrastruktur. In anderen europäischen Ländern sei man da bereits weiter, so Professor Mildenberger.
Dr. Robert Porcher, Ärztlicher Direktor der Emma Klinik in Seligenstadt, betonte, dass telemedizinische Anwendungen keine Lösung seien, da beispielsweise Telemonitoring nicht den direkten Kontakt zum Patienten ersetzen könne. Dr. Porcher warf außerdem die Frage nach der Finanzierung auf. „Jede neue Technik verteuert die medizinische Versorgung. Telemedizin wird die Medizin nicht billiger machen“ so seine Prognose. Andreas Kassner, Geschäftsführer des Verbandes der Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen, sieht die Lösung hierfür in Kooperationen. Wichtig sei es, nicht mehr in Sektoren zu denken, dann sei Telemedizin auch bezahlbar, betonte Kassner. Die anfänglich verbreitete Erwartungshaltung, die Krankenkassen würden in Bezug auf die Telemedizin in Vorleistung gehen, habe sich hingegen nicht erfüllt.
Erschwert wird der Einsatz von Telemedizin außerdem durch die Maßnahmen zum Datenschutz. Diese seien für den behandelnden Arzt in höchstem Maße kosten- und zeitaufwendig, erklärte Dr. Porcher. Andreas Kassner zeigte sich zuversichtlich, dass es künftig intelligente Systeme gäbe, die beide Anforderungen an die Telemedizin verbinden: Datenschutz und Fortschritt.
Nicht zuletzt gilt es, den Patienten einzubinden. Andreas Kassner ist überzeugt, dass Telemedizin zur besseren Vernetzung mit dem Patienten beitragen kann. Wenn zum medizinischen Nutzen der Telemedizin auch wirtschaftliche Vorteile hinzutreten, dann, so die Überzeugung von Holger Strehlau, wird man auch den Patienten für Telemedizin gewinnen können.
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