Patient - Kunde?
Ist der Patient Bittsteller oder König Kunde?

- Detlef Hans Franke

- Manfred Köhler

- Das Panel

- v.l.: Prof. Dr. Josef Schuster SJ, Prof. Dr. Michael Lingenfelder, Dr. Barbara Voß, Mathias Münch, Dr. Matthias Zander, Detlef Hans Franke
Bittsteller, so waren sich die Diskutanten rasch einig, sind Patienten heute sicher nicht mehr, aber kann ein Kranker Kunde sein? Dieser Teil der Debatte verlief kontrovers, das war nicht anders zu erwarten und viele der rund 80 Teilnehmer der zweiten, von HR-Moderator Matthias Münch spannend geleiteten „medlounge rhein-main“ am 20. August bei Fresenius in Bad Homburg diskutierten mit.
Gastgeber Manfred Köhler, Vorstand Zentral Europa der Fresenius Kabi AG, stellte nicht nur sein Unternehmen vor, er bezog auch Position in der gesundheitspolitischen Debatte: es komme darauf an, trotz steigender Kosten in der Gesundheitswirtschaft eine gute Patientenversorgung aufrecht zu erhalten. Doch was wollen die Patienten? Auch da waren sich die Teilnehmer der Talkrunde einig: Patienten wollen die bestmögliche Versorgung und ein vertrauensvolles Verhältnis zu ihrem Arzt.
Professor Lingenfelder, Wirtschaftswissenschaftler der Universität Marburg, betonte die ökonomische Seite. Für ihn steht fest: „Der Patient ist Kunde in einem Dienstleistungssektor, weiss genau, was er will und die Krankenhäuser müssen ihm bieten, wonach er sucht.“ Er könne sich im Internet über Krankenhäuser, Behandlungsmethoden oder andere medizinische Themen umfassend informieren und seine Wünsche und Vorstellungen dem Arzt vortragen. Vor diesem Hintergrund liege es an den Krankenhäusern und Ärzten eine Bindung zum Patienten herzustellen.
Auch Dr. Barbara Voß, Leiterin der Landesvertretung Hessen der Techniker Krankenkasse, spricht von Kunden, denen sie durch ihre Leistungen die medizinische Grundversorgung sichert. Diese Kunden verlangten immer häufiger nach näheren Informationen über Krankenhäuser, um entscheiden zu können, wem sie ihr Vertrauen schenken.
Als Sprecher der Belegarztgemeinschaft des Alice-Hospitals in Darmstadt betrachtet Dr. med. Matthias Zander die umfassenden Informationsmöglichkeiten für Patienten nicht nur positiv. Dadurch entstünden bei manchen Patienten Behandlungswünsche, die unnötig oder nicht zu erfüllen seien. Dr. Zander führt dies nicht zuletzt auf das Verhalten der Krankenkassen zurück. Diese würden manches versprechen, was die Ärzte nicht einlösen könnten. Zander plädierte dafür, dass „unterschiedliche Patientengruppen auf verschiedene Art angesprochen werden müssen und der Patient im Grunde geführt werden will.“
Professor Josef Schuster, Moraltheologe an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen, ist sich hingegen sicher, dass es den Kunden Patient nicht gibt, denn: „Gesundheit ist keine Ware, die man vom Arzt kaufen kann und es gibt bei Behandlungen keine Erfolgsgarantie für den Patienten.“ Schuster stellte vielmehr das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient in den Mittelpunkt. Der Patient öffne sich schließlich seinem Arzt gegenüber physisch oder auch psychisch. So erhalte der Arzt Einblicke von seinen Patienten, die diese nur den wenigsten Menschen in ihrem Leben gewährten.
Zahlreiche Teilnehmer der medlounge rhein-main diskutierten nach der Talkrunde noch munter weiter, im Saal, wie auch beim anschließenden Empfang durch den Gastgeber Fresenius. Die nächste meldlounge rhein-main am 29. Januar 2009, 18 Uhr, im Kurhaus Bad Homburg dreht sich um das Thema „Medical Wellness“.
Einen Pressebeitrag zur Veranstaltung finden Sie hier.
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