Medical Wellness
Medical Wellness: Wachstumsbranche und Trend zugleich
Medical Wellness ist eine stabile Wachstumsbranche, so das Resümee der medlounge rhein-main „Medical Wellness: Stabile Wachstumsbranche oder kurzlebiger Lifestyle-Trend?“, die am 29. Januar 2009 im passenden Ambiente des KongressCenters Kurhaus Bad Homburg stattfand. Allerdings ist Medical Wellness auch ein Trend. Eben darin liegen Risiken für die Branche.
„Die Wellness-Branche boomt und immer mehr Häuser mit ‚Trimm-Dich-Fahrrädern’ und Sauna im Keller, die sich selbst als Wellness-Hotel bezeichnen, eifern dem Trend nach“, so Henning Reichel, Direktor des Kempinksi Hotel Falkenstein, einem Anbieter der Branche im Luxussegment. Gerade deshalb hat die Branche ein eigenes Interesse daran, die Marke „Medical Wellness“ zu schützen und ihre Angebote gegenüber fragwürdigen Wettbewerbern abzugrenzen. Die bestehenden Qualitätsnormen seien unzureichend, und müssten stärker nachgewiesen werden, so Peter Bruckmaier, Geschäftsführer Kur- und Kongreß-GmbH Bad Homburg v.d. Höhe. „Deshalb hat ein bundesweiter Arbeitskreis gemeinsame Kernanforderungen an Medical Wellness-Einrichtungen erarbeitet“, berichtete Bodo K. Scholz, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Heilbäderverbandes. Zu den Kernanforderungen an Medical Wellness zählen u.a.: ärztliche Leitung und Verfügbarkeit, Qualifikation der Mitarbeiter, Angebote, die auf Nachhaltigkeit zielen, hohe Einrichtungs- und Ausstattungsqualität sowie ein dokumentiertes Qualitätsmanagement. Im Übrigen sei, so Bodo Scholz, Medical Wellness nichts vollkommen Neues, sondern eher eine moderne Form der Kur.
Manfred Köhler, Leiter der regionalen Wirtschaftsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und Moderator der Talkrunde befragte die Diskussionsteilnehmer in diesem Zusammenhang nach dem Sinn von Gütesiegeln. „Ein Gütesiegel“, so Daniela Hubloher, Verbraucherzentrale Hessen, „bedeutet noch nicht, dass sich dahinter tatsächlich Qualität verbirgt.“ Alle anwesenden Gesundheitsexperten waren sich einig, dass der Begriff „Wellness“ zu inflationär im allgemeinen Sprachgebrauch genutzt wird. Dies trage zu einer Unschärfe bei, die fragwürdigen Anbietern Tür und Tor öffne und Wellness in den Augen der Verbraucher häufig zu „Wellnepp“ avancieren lasse.
Dennoch sei Medical Wellness eine Wachstumsbranche, denn immer mehr Verbraucher seien bereit, in ihre Gesundheit zu investieren. Ein Trend, der nach Ansicht von Florian Gerster, Staatsminister a.D., Vorsitzender der gesundheitswirtschaft rhein-main, auf bundespolitischer Ebene unterstützt werden sollte. „Zu häufig werden immer noch Risiken abgewogen wo eigentlich Wachstumschancen ergriffen werden sollten.“, so Florian Gerster.
Volker Heuzeroth, Versorgungsmanager der TAUNUS-BKK bestätigt, dass die bestehende Gesetzeslage den Krankenkassen häufig die Hände bindet. Das Präventionsangebot der Kassen beschränke sich derzeit vor allem auf Beratungsleistungen. Der Versicherte werde ermuntert selbst aktiv zu werden.
Angesichts der Tatsache, dass auch die Krankenkasse einen Gesundheits-Check beim Hausarzt bezahlt, drängte sich Manfred Köhler die Frage auf: „Warum kommen die Patienten zu ihnen, Herr Reichel, und nicht zu ihrem Hausarzt?“ Der Kempinski-Chef glaubt, dass vor allem das Ambiente ausschlaggebend ist. Wer nach Falkenstein komme, der wolle in luxuriösem Umfeld Lebensfreude genießen. Der Aspekt, eine bestehende Erkrankung zu erkennen stünde hier nicht so stark im Vordergrund wie bei einem herkömmlichen Arztbesuch. Peter Bruckmaier ergänzt: „Das Körperbewusstsein der Bevölkerung wächst, die Menschen sparen auch in Krisenzeiten lieber an andere Stelle.“
Dennoch ist Medical Wellness kein „Selbstläufer“ so das weitere Resümee des Abends. „Jeder Kurort muss seine Zielgruppe genau kennen, den Markt im Blick haben und sich etwa gegen Konkurrenz aus dem Ausland durchsetzen“, so Bodo Scholz. Viele ehemalige Staatskurorte hätten die Zeichen des Wandels sehr spät erkannt, fasst Peter Bruckmaier abschließend zusammen.
Mit freundlicher Unterstützung


















