Frühjahrstagung 2009: "Die gesetzliche Krankenversicherung bewährt sich"
Frühjahrstagung: "Die gesetzliche Krankenversicherung bewährt sich"
Ganz gleich, wie die Bundestagswahl im Herbst ausgeht, der Gesundheitsfonds und die gesetzliche Krankenversicherung werden bleiben, müssen aber immer wieder verändert und künftigen Anforderungen angepasst werden. Zu dieser Einschätzung kamen die Diskussionsteilnehmer der diesjährigen Frühjahrstagung der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.v. im Campus Westend der Goethe Universität Frankfurt und bestätigten damit das Tagungsthema „Gesundheitfonds: Nach der Reform ist vor der Reform“.
So ist Hauptredner Prof. Dr. h.c. Ludwig Georg Braun, Vorsitzender des Vorstandes der B. Braun Melsungen AG, davon überzeugt, dass eine reine Umlagenfinanzierung wegen der zunehmenden Zahl von Ruheständlern nicht mehr möglich sein wird und mehr Steuergelder in den Gesundheitsfonds fließen müssen. Auch Gudrun Schaich-Walch, die frühere parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium hält den Fonds für unterfinanziert und ist der Auffassung, eine Steuerfinanzierung der Krankenversicherung von Kindern, Ehefrauen und Arbeitslosen sei wünschenswert.
Einen vollständigen Systemwechsel von einer umlagefinanzierten Krankenversicherung zu einem kapitalgedeckten Gesundheitssystem hielt keiner der Diskutanten für wahrscheinlich, auch nicht bei einer möglicherweise künftigen bürgerlichen Bundesregierung. Zu stark sei bei den Deutschen der Wunsch nach einer gesetzlich abgesicherten Versorgung im Krankheitsfall verankert. Viele Menschen würden lieber höhere Krankenkassenbeiträge bezahlen, als wesentliche Teile ihres Versicherungsschutzes zu verlieren, so Gudrun Schaich-Walch.
Und sicher waren sich die Diskutanten bei der von Florian Gerster, Vorsitzender der gesundheitswirtschaft rhein-main, geleiteten Diskussion auch darin, dass die Versicherten und Patienten über immer mehr Informationen über Krankheiten, Kliniken, Ärzte und Medikamente verfügen. Leider, so Gudrun Schaich-Walch, sei mit dem Gesundheitsfonds auch viel Transparenz für die Versicherten verloren gegangen. Mehr Transparenz für die Versicherten forderte auch Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard, früherer Staatssekretär im Hessischen Wissenschaftsministerium. Außerdem müsse die Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung mittelfristig geplant werden und es müsse in Zukunft einen, wenngleich sozial angelegten, Wettbewerb geben. Zu den Fehlern des Fonds zählt aus Sicht von Hans-Jörg Gittler, Vorsitzender des Vorstandes der Krankenversicherung BAHN-BKK, auch der Einheitstarif, der keinen Preiswettbewerb mehr unter den Kassen zulasse und kleine und innovative Kassen benachteilige. Zudem habe er die Manager der Krankenversicherungen zu reinen Empfängern von Budgetbeträgen gemacht.
Um die von allen erwarteten auch künftigen Kostensteigerungen wenigstens einzudämmen, müsse unser Gesundheitssystem effizienter werden. Professor Braun empfahl, Krankenhäuser, Ärzte, Kassen und Patienten stärker digital zu vernetzen. Hans-Jörg Gittler sprach sich dafür aus, dass Kassen verstärkt die Möglichkeit nutzen müssen, gezielte Versorgungsverträge mit einzelnen Kliniken oder Klinikgruppen abzuschließen und dabei auch Qualitätsstandards setzen müssen. Wenn wir es schaffen, so Professor Braun, das deutsche Gesundheitssystem zu einem „schlüssigen und finanzierbaren Gesamtmodell“ zu entwickeln, so wäre dies sicherlich ein Exportschlager für die ganze Welt.










