Ulla Schmidt und Asklepios-Gründer bei der Frühjahrstagung 2008
Ulla Schmidt und Asklepios-Gründer bei der Frühjahrstagung 2008
Über 130 Teilnehmer diskutierten bei der diesjährigen Frühjahrstagung der Initiative Gesundheitswirtschaft Rhein-Main e.V. am 13. Mai mit Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt und Dr. Bernhard gr. Broermann, Gründer und Gesellschafter der Asklepios Kliniken, die Frage „Gesundheitspolitik: Kostendämpfung oder Förderung einer Wachstumsbranche?“.
Die Initiative Gesundheitswirtschaft Rhein-Main zeige die Wichtigkeit, die dieser wachsende Wirtschaftszweig im Rhein-Main-Gebiet auch am Bankenmarkt habe, und bündele die Kräfte in der Region, sagte Hans-Joachim Tonnellier, Präsident der Industrie- und Handelskammer Frankfurt am Main und Gastgeber der Frühjahrstagung, in seinem Grußwort.
Hans-Dieter Brenner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Landesbank Hessen-Thüringen, betonte, dass gerade zur Bewältigung des Problems der alternden Gesellschaft besser gehaushaltet werden müsse. So avanciere die Gesundheitswirtschaft mit 4,3 Millionen Beschäftigten zum größten Wirtschaftszweig Deutschlands. Gerade das Rhein-Main-Gebiet hätte dabei überdurchschnittliches Potential, so Brenner weiter.
Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt erklärte, dass die Gesundheitswirtschaft nicht allein Marktgesetzen unterworfen werden dürfe. Allen den Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen, sei ein riesiger Anspruch und der Grund für die Notwendigkeit von Reformen in diesem Bereich. In einer Gesellschaft des längeren Lebens könne das Budget, dass die Krankenkasseneinzahler aufbringen, nicht weniger werden, so Schmidt. Im Gesundheitswesen Tätige sollten durch das zur Verfügung stehende Geld besser entlohnt werden, da die Arbeit von Menschen an Menschen nicht ersetzbar sei, so Schmidt weiter.
Die Bundesgesundheitsministerin forderte integrierte Versorgung, Hausarzt- und Wahltarife, sowie Vereinbarungen zwischen Kassen und Ärzten. Durch diese Maßnahmen seien frühe Erkennung, zielgenaue Behandlung von Krankheiten, sowie durch Wettbewerb höhere Qualität der medizinischen Versorgung möglich, so Schmidt weiter. Schritt für Schritt soll das Gesundheitssystem transparenter und damit eine bessere Kalkulierbarkeit auf Seiten der Ärzte erreicht werden. Allerdings würden Deregulierungsmaßnahmen häufig entgegen ihrer Bestimmung zu noch mehr Regularien führen. Florian Gerster, Vorsitzender der Initiative, Unternehmensberater und Staatsminister a.D., hatte sich in seiner Begrüßung für eine Deregulierung des Gesundheitssystems ausgesprochen, um die Kräfte des Marktes zu entfesseln.
Dr. Bernard gr. Broermann machte deutlich, dass die Kostendämpfungspolitik in Deutschland längst in Rationierung umgeschlagen und die Belastung von Krankenhausmitarbeitern in Folge dessen nicht mehr tragbar sei. Im Vergleich mit anderen OECD-Ländern sei die Vergütung von Ärzten und Pflegekräften in Deutschland unterdurchschnittlich. Jeder Mitarbeiter müsse doppelt so viele Patienten behandeln wie in anderen OECD-Ländern (20 in Deutschland, z.B. 9 in der Schweiz), erklärte Dr. gr. Broermann. Sein Unverständnis äußerte er außerdem darüber, dass in Deutschland viele Ärzte und Pflegekräfte arbeitssuchend sind, während Pflegebedürftige gleichzeitig nicht angemessen versorgt werden könnten. Er betonte: „Kostendämpfung bedeutet arbeitslose Mitarbeiter. Es ist an der Zeit, sich nicht zu Tode zu sparen.“ Aufgabe der Politik sei es, Menschen zu ermöglichen, mehr für ihre Gesundheit auszugeben, so Dr. gr. Broermann. Auf die in der Diskussion aufgeworfene Frage nach einem Rat für öffentliche Kliniken, schwarze Zahlen zu schreiben, empfahl Dr. gr. Broermann eine Verschlankung des Verwaltungsapparates und Investitionen. Im übrigen stelle auch Privatisierung eine Möglichkeit dar.
Die Initiative Gesundheitswirtschaft Rhein-Main trage durch Veranstaltungen wie die Frühjahrstagung dazu bei, Änderungen im Gesundheitswesen seitens der Politik zu beschleunigen.
Mit freundlicher Unterstützung:
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