PPP als Alternative in der Krankenhausfinanzierung?
Wo sonst, wenn nicht im Main Tower der Landesbank Hessen-Thüringen, hätte eine Fachtagung stattfinden sollen, bei der sich alles um Geld, Kredite und Fördermittel dreht. Die gesundheitswirtschaft rhein-main hatte zum Thema: „PPP in der Krankenhausfinanzierung – neues Kleid oder Feigenblatt?“ eingeladen und konnte rund 60 Teilnehmer begrüßen, die den Ausführungen der sechs Referenten folgten und anschließend über Vor- und Nachteile des PPP-Modells diskutierten.
Als Moderator der Veranstaltung ging Harald Schmidt von PricewaterhouseCoopers zunächst auf Faktoren ein, die seiner Meinung nach zum Umdenken in der bisherigen Krankenhausfinanzierung führen müssen. Neben höheren Patientenansprüchen seien dies Demographie, steigender Wettbewerb und Kostendruck. Schmidt hält daher eine Effizienzsteigerung durch neue Führungsmodelle und Controlling aber auch eine strategische Positionierung der Krankenhäuser durch Marketing und PR für unverzichtbar.
Hans Dieter Brenner, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Landesbank Hessen-Thüringen, zeigte sich anschließend davon überzeugt, dass eine Finanzierung durch PPP Vorteile bietet. „PPP entlastet öffentliche Haushalte langfristig und nachhaltig.“ Man solle jedoch nicht nur einseitig auf den Kostenvorteil schauen, Ziel sei vielmehr die Optimierung des Gesundheitswesens durch Koppelung wirtschaftlicher Effizienz und fachgerechter Patientenversorgung. Für Dr. Hans-Georg Napp, Bereichsleiter im Zielkundenmanagement der Helaba, ist PPP sogar mehr als nur eine Finanzierungsart unter vielen, erschließe PPP doch neue Handlungsspielräume. Nicht der bloße Bau eines Krankenhauses stehe nämlich im Mittelpunkt, sondern ein langfristiges Geschäftsverhältnis. Dr. Napp ist daher überzeugt, dass sich PPP im Gesundheitssektor als selbständiges Finanzierungsinstrument etablieren wird.
Ob dies dauerhaft in Hessen der Fall sein wird, konnte aber auch Jochen Metzner aus dem Hessischen Sozialministerium nicht beantworten, da es allein in der Entscheidung des Krankenhausträgers liege, ob er sich für ein PPP-Modell entscheidet. Die Voraussetzungen für eine Förderung von PPP-Vorhaben bestünden nun seit einer Änderung des Hessischen Krankenhausgesetzes im Januar. Seitdem sei zwar noch kein Krankenhaus durch PPP finanziert worden, es gebe aber schon eine Vereinbarung der Hessischen Sozialministerin mit dem Hochtaunuskreis. Hiernach werde die Landesregierung für die Neubauten der Kliniken in Bad Homburg und Oberursel im Rahmen eines PPP-Projekts bis zu 70 Millionen Euro zur Verfügung stellen. Nach der gesetzlichen Regelung könne die Landesregierung insgesamt bis zu einem Drittel des jährlichen Gesamtbewilligungsvolumens im Krankenhausbereich für PPP-Projekte vorsehen.
Doch welche Voraussetzungen müssen erfüllt werden, damit ein PPP-Projekt erfolgreich sein kann? Für Burkhard Landré, Senior Manager bei PricewaterhouseCoopers ist eine klare Vision das Entscheidende. Sie solle auf einer langfristigen, prozessorientierten Bedarfsplanung und funktionalen Leistungsbeschreibung basieren. Zusätzlich sei ein großes Projektvolumen von Vorteil, das möglichst den Neubau statt der Sanierung einzelner Gebäuden einschließe. Unverzichtbar sei hingegen eine ausreichende öffentliche Sicherung der Zahlungsströme und ein realistischer Zugang bei der Verlagerung von Risiken auf den privaten Partner, um die Finanzierung eines PPP-Projektes durch die Banken zu ermöglichen.
Das passende Beispiel hierzu lieferte Ralf Kampf vom Universitätsklinikum Schleswig-Holstein. Anschaulich dokumentierte er ein PPP-Projekt auf dem Campus in Kiel, das nach seinen Worten neben deutlich geringeren Kosten insbesondere den Vorteil einer Risikoverteilung bietet. „Der Betreiber hat für eine angemessene Auslastung des Krankenhauses zu sorgen, der private Investor hingegen für die Funktionstüchtigkeit der Einrichtung.“ Die Bezahlung richte sich dementsprechend nach 300 festgelegten Leistungs- und Verfügbarkeitsstandards. Bei Störung oder Ausfall des Betriebes werde entsprechend weniger bezahlt. „Das A und O ist eben die Wirtschaftlichkeit“, so Kampf abschließend.
Dieses Beispiel einer erfolgreichen Realisierung durch PPP lobte auch Dr. Roland Mörmel, verantwortlich für Gesundheitsimmobilien bei Hochtief PPP Solutions. Dr. Mörmel hält PPP für eine gute Alternative zur Privatisierung. Voraussetzung sei jedoch die Integration der Dienstleistungen sowie eine konkrete Planung von Bau und Betrieb unter Lebenszyklusgesichtspunkten. Insbesondere an den richtigen Beratern entscheide sich „Wohl und Wehe des Projekts“.
Bei der abschließenden Debatte waren sich schließlich alle einig, dass PPP tatsächlich eine kostengünstigere Alternative bei der Krankenhausfinanzierung darstellen kann, wenn die richtigen Voraussetzungen geschaffen werden. Ein Allheilmittel sei PPP dennoch nicht, ist sich Harald Schmidt sicher. Letztlich komme es insbesondere auf eine kompetente Krankenhausführung an. Ein gutes Stadion bringe eine mittelmäßige Fußballmannschaft schließlich auch nicht automatisch in die Championsleague, so Schmidt.
Die Vorträge der Referenten finden sie im Downloadbereich.
















