Personalisierte Medizin wird bei der Entwicklung neuer Medikamente immer wichtiger

Personalisierte Medizin wird bei der Entwicklung neuer Medikamente immer wichtiger

Personalisierte Medizin erfordert eine interdisziplinäre Herangehensweise. Unterschiedliche Akteure müssen zusammenkommen und die Finanzierung muss ebenfalls geklärt werden. Beim „InnovationsForum 2009 – Personalisierte Medizin“ am 16. September 2009 im FIZ (Frankfurter Innovationszentrum Biotechnologie) wurden diese und andere spannende Fragen diskutiert.
 
Bereits über 60 Prozent der Projekte zur Wirkstoffentwicklung befassen sich mit Genanalysen, wie Dr. Andreas Kovar, Vice President und Head of Global Exploratory Medicine der Pharmasparte Merck Serono erläuterte. „Für die Pharmaindustrie böte die Personalisierte Medizin die Möglichkeit, die Kosten in der Arzneimittelentwicklung zu senken“, so Kovar. „Die Gendiagnostik besitzt neben dem medizinischen Aspekt auch eine große unternehmerische Relevanz“, betonte Prof. Dr. Theo Dingermann, Biotechnologiebeauftragter des Landes Hessen. In Hessen nehme die Bedeutung der Biotechnologie als Wirtschaftsfaktor zu.

 

Schon heute könne man durch Personalisierte Medizin Krankheiten vor ihrem Ausbruch erkennen und die Risiken für genetisch bedingte Erkrankungen abschätzen. „Die Pharmakogenetik ist in der personalisierten Arzneitherapie unverzichtbar, da sie das Medikament besser dosierbar macht. Außerdem können Non-Responder, Patienten, die auf bestimmte Medikamente nicht ansprechen, schneller erkannt werden“, so Prof. Dr. Ivar Roots, Direktor des Instituts für Klinische Pharmakologie in der Charité-Universitätsmedizin Berlin.

Wie immer spielen bei Innovationen aber auch die Kosten eine Rolle. Klaus Böttcher, Hauptabteilungsleiter Leistungs-, Versorgungs- und Vertragsmanagement bei der KKH-Allianz, betont, dass sich Investition in neue personalisierte Medikamente für die Krankenkassen rentieren müssen und man eine genaue Kosten-Nutzen-Analyse brauche. Die KKH-Allianz bot als erste Krankenkasse eine Gentest-Reihenuntersuchung an. Prof. Dr. Daniela Steinberger, Geschäftsführerin und medizinische Leiterin der biologis GmbH sieht hingegen in den Kosten der Gendiagnostik „kein Problem“. Sie geht davon aus, dass diese in Zukunft stark sinken werden. Kovar und Dr. Anna C. Eichhorn, Vorstand der humatrix AG, sind ebenfalls der Ansicht, dass in der Gendiagnostik langfristig ein positives „Kosten-Nutzen-Verhältnis“ entsteht. Steinberger wies darauf hin, dass Personalisierte Medizin kein „neues Konzept“ in der Medizin sei, sondern schon  immer in Form individueller Behandlung praktiziert worden ist. Nun könne man mit Hilfe der genetischen Daten dieses Konzept vervollkommnen.

Eine der großen Herausforderungen liegt jetzt nach Einschätzung aller Beteiligten darin, den Menschen die Angst vor der Gendiagnostik zu nehmen. So müsse man den Menschen die positiven Aspekte der Gendiagnostik verständlich näher bringen. Die von Dr. Holger Bengs, Geschäftsinhaber Dr. Holger Bengs Biotech Consulting, moderierte Gemeinschaftsveranstaltung der „gesundheitswirtschaft rhein-main e.V., „Hessen Biotech“ und der „Frankfurt Biotech Alliance“ zeigte einmal mehr, wie wichtig der Austausch aller Akteure ist und dass bei der Personalisierten Medizin noch eine Menge „Hausaufgaben“ bevorstehen.

 

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