Nachbericht ml Nov 2010

V.l.n.r.: Wolfram-Arnim Candidus; Prof. Dr. Andrea Morgner; Cordula Schulz-Asche; Dr. Christoph Straub; Prof. Heinz Lohmann; Florian Gerster

„Gesundheitszentren schlagen Krankenhäuser“

In zehn Jahren, da ist Gesundheitsberater Professor Heinz Lohmann überzeugt, schlagen Gesundheitszentren die Krankenhäuser. Was das bedeutet, wurde bei der medlounge rhein-main im November 2010 zum Thema „Monopole oder Wettbewerb – wer organisiert das Gesundheitswesen im Jahr 2020?“ deutlich.

Mit Monopolen rechnet zwar niemand, aber besser organisierte Verbünde, die werde es in zehn Jahren geben. Darin waren sich alle Teilnehmer der von Florian Gerster, Vorsitzender der Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main, moderierten Diskussion einig. Noch werde im Gesundheitsbereich zu viel improvisiert, deshalb bliebe auch zu wenig Zeit für Patienten. Nicht die Politik, sondern der Kostendruck und die Patienten seien Motoren des Strukturwandels, wie Professor Lohmann meint. Gesundheitsleistungen würden künftig angeboten, wie ein Auto: standardisiert in den Abläufen aber auf die individuellen Wünsche des Patienten zugeschnitten. Überregionale Angebote würden den Markt beherrschen, glaubt er.

Einen stärkeren regionalen Akzent setzten in der Diskussion Dr. Andrea Morgner, Leiterin des Bereichs Netzwerke des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus, Dresden, und Dr. Christoph Straub, Vorstand ambulant-stationäre Grund- und Regelversorgung der Rhön-Klinikum AG. Eine Neustrukturierung sei regional möglich und sie brauche einen Moderator, damit alle Akteure den Patienten und dessen Bedürfnisse im Blick behielten, so Morgner. Die Dresdner Universitätsklinik habe hierfür eine Managementgesellschaft gegründet, sehe sich aber nicht als regionales Monopol. Vielmehr werde  es in der Region Dresden wahrscheinlich irgendwann zwei bis drei regionale Verbünde geben.

Gegen Kritik, Rhön versuche sich die ambulante Medizin einzuverleiben, setzte sich Dr. Straub zur Wehr. In Krankenhäusern sei zwar immer mehr ambulant möglich, es gehe aber darum, gerade in ländlichen Regionen ambulant-stationäre Strukturen zu verbinden. Gegen die wachsende Dominanz der Krankenhäuser in der ambulanten Medizin und eine Politik, die dies durch eine Budgetierung ambulanter Operationen bei niedergelassenen Ärzten auch noch begünstige, setzte sich Dr. Thomas Wiederspahn-Wilz, 1. Vorsitzender des LAOH, Verband von operativ und anästhesiologisch tätigen niedergelassenen Ärzten in Deutschland, ein.

Cordula Schulz-Asche, gesundheitspolitische Sprecherin der Grünen im Hessischen Landtag gab ihm recht: mit Budgets könne sich der ambulante Sektor „wenig entwickeln“. Wenn die Patienten gestärkt werden sollen, müsse die medizinische Qualität transparenter werden, forderte die Grünen-Politikerin. Noch bestünden oft Strukturen, zum Beispiel in der Pflege, wie vor 30 Jahren. Auch Schulz-Asche setzte sich für patientenorientierte Prozesse und eine ambulant-stationäre Vernetzung ein, für Wolfram Armin Candidus, den Präsidenten der Deutschen Gesellschaft für Versicherte und Patienten, muss allerdings dabei klar sein, dass „Daten den Patienten gehören“.

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