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medlounge rhein-main: Wer junge Ärzte begeistern will, muss Praxis-Schock vermeiden
Studenten wieder begeistern, mehr Praxisbezug schaffen und gute Fort- und Weiterbildung anbieten. Über diese und andere Lösungen als Antwort auf den Ärztemangel diskutierten die Teilnehmer der medlounge rhein-main am 11. März 2010 in Wiesbaden. Vor dem Hintergrund einer Medizin, die immer weiblicher wird, erwarten Medizinstudenten von heute, dass sich Familie und Beruf besser vereinbaren lassen, als in der Vergangenheit.
Ärztemangel ist kein neues Problem. Jahrelang wurde es kaum beachtet, doch die aktuellen Zahlen sind brisant: Vergangenes Jahr blieben bundesweit etwa 5.000 Arztstellen in Krankenhäusern unbesetzt, bestätigte Armin Ehl, Hauptgeschäftsführer des Marburger Bundes. Hinzu kämen noch 3.000 unbesetzte Stellen bei niedergelassenen Ärzten. Selbst in wirtschaftlich attraktiven Ballungsräumen wie Rhein-Main spüren Krankenhäuser die Auswirkung.
Wie sieht die Prognose für die nächsten Jahre aus? Holger Strehlau, Sprecher der Geschäftsführung HSK, Dr. Horst-Schmidt-Kliniken, glaubt: „Die Krankenhäuser stehen wesentlich besser da, am Ende trifft es die niedergelassen Ärzte". Angesichts der hohen Zahl unbesetzter Arztstellen schlägt Prof. Dr. Joachim-Felix Leonhard, Präsident der von Behring-Röntgen-Stiftung, vor, qualifizierte Ärzte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen und diesen eine vernünftige Integration zu ermöglichen.
Doch wie können wir die Situation bei uns verbessern? Zwar bilden Universitäten immer mehr Studenten aus, ein großer Teil der Absolventen entscheidet sich aber gegen eine Laufbahn als Arzt. Eine Ursache dafür sei der Praxis-Schock, den viele erlebten, wenn sie in den Beruf einstiegen. Darin waren sich die Teilnehmer der medlounge rhein-main weitgehend einig, die am 11. März 2010 im Dr.-Peter-Jäger-Bildungszentrum der HSK, Dr. Horst-Schmidt-Kliniken über das Thema „Immer mehr Mediziner und immer weniger Ärzte?“ diskutierten. Um dieser Entwicklung gegenzusteuern sei es sinnvoll, das Studium gegebenenfalls umzugestalten und die Studenten früher an die Praxis heranzuführen, so Ehl. Mehr Praxisnähe sowie Auswahlgespräche vor Studienbeginn forderte auch Prof. Dr. med. Rainer Moosdorf, Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Marburg.
Damit Ärzte wieder mehr ihrer medizinischen Tätigkeit nachgehen können, schlägt Dr. med. Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach, Präsident der Landesärztekammer Hessen, einen Katalog von kurz-, mittel- und langfristigen Maßnahmen vor, u. a. seien die Ärzte vom Bürokratie-Ballast zu befreien. Auf langfristige Sicht müsse zudem die Zahl der Studienplätze erhöht werden. Diesen Vorschlag von Dr. Knoblauch zu Hatzbach hält Prof. Moosdorf für weniger geeignet: „Wir brauchen nicht mehr Studenten, sondern müssen unsere Studenten für den Beruf mehr begeistern“, so Moosdorf.
Christina Specht, Medizinstudentin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, hat noch keinen Praxis-Schock erlebt. Die Studentin im elften Semester klagt über mangelndes Engagement von Professoren und erinnert sich: „Ein Assistenzarzt hielt die Einführungsvorlesung und las, ohne Ahnung zu haben, von den Folien ab“. Die Studentin im Praktischen Jahr wünscht sich neben mehr Praxisnähe im Studium mehr Engagement seitens der Professoren und für ihr späteres Arbeitsfeld die Möglichkeit, Beruf und Familie zu vereinbaren.











