InnoForum Personalisierte Medizin
InnovationsForum Hessen-Biotech: Personalisierte Medizin
Personalisierte Medizin auf dem Weg in die klinische Praxis
Als eine Strategie der zukünftigen Gesundheitsversorgung wird weltweit die Personalisierte Medizin diskutiert. Doch wie hoch ist das Potential dieser neuen Disziplin wirklich? Welche Wirkstoffe sind gerade Gegenstand der pharmazeutischen Forschung? Wie komme ich als Patient in den Genuss dieser innovativen Behandlung? Diese und viele weitere Fragen standen im Mittelpunkt des InnovationsForum Hessen-Biotech am 7. Dezember 2011. Mehr als 90 Wissenschaftler, Ärzte und Vertreter der Gesundheitswirtschaft waren im Hotel am Krankenhaus Nordwest, Frankfurt am Main, erschienen, um über die Potentiale und Herausforderungen der Personalisierten Medizin auf dem Weg in die klinische Praxis zu diskutieren. Gastgeber der Veranstaltung waren die Hessen Agentur mit der Aktionslinie Hessen-Biotech, das Cluster für Individualisierte ImmunIntervention (CI3) e.V. und die Initiative gesundheitswirtschaft rhein-main e.V..
Hessen als Innovationstreiber für Personalisierte Medizin
In der Begrüßung machte Dr. Thomas Niemann (HA Hessen Agentur GmbH) auf die hervorragenden Voraussetzungen des Biotechnologiestandortes Hessen für diesen innovativen Forschungsansatz aufmerksam: „Zur Entwicklung von maßgeschneiderten Therapie-Konzepten sind zahlreiche unterschiedliche Kompetenzen gefragt. Mit unseren exzellenten Universitäten und Forschungseinrichtungen, F&E-starken KMUs und global agierenden Pharma-Unternehmen sind wir hier in Hessen hervorragend aufgestellt, um in dieser Disziplin ganz vorne mitzuspielen.“
„Die Anwendung der Personalisierten Medizin ist medizinisch und pharmazeutisch unausweichlich“, erklärte Professor Theodor Dingermann (Goethe-Universität Frankfurt am Main) in seinem Impulsvortrag. „Die Personalisierte Medizin bietet große Vorteile für die Patienten, die dadurch wirksamer und schonender behandelt werden können.“ Vertreter von Hochschulen und Firmen betonten, dass die Personalisierte Medizin nicht nur eine technologische Innovation, sondern einen allgemeinen Paradigmenwechsel in der Medizin darstelle: weg von der Behandlung von Krankheiten hin zur Behandlung des Patienten. Dies sei darin begründet, dass nun die persönliche genetische Ausstattung des Patienten in den Mittelpunkt gestellt werden könne.
Neben höheren Heilungschancen werden durch die Personalisierte Medizin neue wirtschaftliche Potenziale freigesetzt, insbesondere durch den Wegfall unwirksamer oder fehlerhaft angeordneter Therapien. Allerdings darf man nicht vergessen, dass die Personalisierte Medizin ihre Entwicklung zur Marktreife noch nicht abgeschlossen hat. Dennoch – die Personalisierte Medizin gilt derzeit als große Hoffnung für die Zukunft der Gesundheitsversorgung.
Herausforderungen an die pharmazeutische Industrie
Mit der Hoffnungsformel Personalisierte Medizin gehen neue wirtschaftliche und regulatorische Herausforderungen einher, die bei der Einführung pharmazeutischer Produkte bewältigt werden müssen. Eine von Dr. Rainer Wessel (CI3) moderierte Gesprächsrunde machte in diesem Zusammenhang deutlich, dass die neuen Verfahren der Personalisierten Medizin zurzeit noch mit hohen Kosten verbunden sind – und infolgedessen mit großen Vorbehalten. Die pharmazeutische Industrie erhalte andererseits auch neue wirtschaftliche Anreize, wie Professor Dingermann anführte: „Statt Produkte mit ‚verdünnter‘ Wirksamkeit für viele Patienten zu entwickeln, entfalten individualisierte Wirkstoffe bei den Patienten, bei denen sie wirken, ihr tatsächliches Potenzial.“ Dabei gelte das ökonomische Prinzip: Wenn die Leistungsfähigkeit einer Technologie steigt, geht damit auch ein mindestens ähnlich ausgeprägter Effizienzgewinn einher.
Vom Labor zum Patienten
Bisher wurden vor allem bei der Krebstherapie Fortschritte in der Personalisierten Medizin erzielt. Professor Dr. Simone Fulda (Institut für Experimentelle Tumorforschung, Goethe-Universität Frankfurt am Main) sprach von „wegweisenden neuen Erkenntnissen“. Das Wissen zu den genetischen Ursachen und zur Molekularbiologie menschlicher Tumore sei in den vergangenen Jahrzehnten beachtlich gewachsen. Sie äußerte sich daher optimistisch, dass die Krebspatienten „durch einen möglichst schnellen Transfer von den neuen Ergebnissen der Grundlagenforschung in die klinische Anwendung und von den Innovationen in der Entwicklung neuer diagnostischer und therapeutischer Verfahren profitieren werden“.
Dr. Anna C. Eichhorn (humatrix AG) teilte diesen optimistischen Blick in die Zukunft: „Das menschliche Genom ist entschlüsselt, viele potenzielle Biomarker sind erforscht.“ Jetzt müsse die Umsetzung stärker in den Mittelpunkt rücken. Durch neue Synergien in der Gesundheitswirtschaft und durch ein neues Bewusstsein bei Arzt und Patient für die Vorteile der Personalisierten Medizin könne dies in Zukunft besser gelingen.






