Gesundheitssystem: Bezahlung nach Qualität?! – von der Zukunftsvision zur Realität

Es ist das Top-Thema der Gesundheitspolitik: die qualitätsorientierte Vergütung. Dass sie kommen wird, steht fest. Sogar das Datum für ihre Ausgestaltung – der 30. Juni 2018 – ist gesetzt. Doch wie diese in der Praxis aussehen soll, wie sich die einzelnen Akteure darauf vorbereiten können und welche Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden müssen, ist noch alles andere als klar. Im Gesundheitsclub Rhein-Main diskutierten Experten aus unterschiedlichen Perspektiven der Branche mögliche Szenarien, Chancen und Risiken.

Professor Dr. Hans-Peter Busch, ehemaliger Leiter des Zentrums für Radiologie, Neuroradiologie, Sonografie und Nuklearmedizin des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Trier, machte mit seinem Impulsvortrag die Komplexität des bestehenden Gesundheitsapparates und die Schwierigkeit beim Anlegen von objektiven Qualitätskriterien deutlich. Gerade weil das Thema hochkomplex sei – man denke nur an die unterschiedlichen Qualitätsparameter wie Prozesssicherheit und -effizienz, medizinische Ergebnisse, Versorgungssicherheit oder subjektives Wohlbefinden –  wird es keine One-fits-all-Lösung geben, so Busch. Vielmehr sei es wichtig, unterschiedliche Modellprojekte zu starten und unbürokratisch vorzugehen. Dabei müssten jedoch die Behandlungen risikoadjustiert und effizient gestaltet sowie die Dokumentation justitiabel sein. Um all dies unter einen Hut zu bekommen, sei der nächste logische Schritt, das Qualitätsmanagement in Krankenhäusern auszubauen und zu professionalisieren.

Dass wir in Deutschland bei der Schaffung der Rahmenbedingungen für ein qualitätsbasiertes Gesundheitssystem bereits auf dem richtigen Weg sind, erklärte Dr. Irmgard Stippler, Vorstandsvorsitzende der AOK Rheinland-Pflaz und Saarland, in ihrem Vortrag. Bisher bestehe zwar noch kein hinreichendes qualitätsorientiertes Anreizsystem, was unter anderem dem Nebeneinander unterschiedlicher Krankenhaus- und Praxisarten geschuldet sei. Doch setze das Krankenhausstrukturgesetz bereits gute Impulse für den Strukturumbau hin zu Stufenversorgung und Zentrenbildung. Besonderen Wert sieht Stippler in Mindestmengen, um die Patientensicherheit zu erhöhen und die Wirtschaftlichkeit von Kliniken zu prüfen. Außerdem würden die Krankenkassen sich mit Modellen wie Qualitätsverträgen zwischen Kassen und Krankenhäusern oder der Vereinheitlichung von Bewertungsportalen für Patienten bereits heute in vielen Punkten den zukünftigen Anforderungen nähern.

Wenn denn das Messen von Qualität so schwierig ist und am Ende doch dem Patienten dienen soll, warum nicht gleich die Bewertung dem Patienten überlassen und danach – zumindest teilweise – die Vergütung anpassen? Der Vorschlag von Gastgeber Michael Burkhart führte in der abschließenden Runde zu lebhafter Diskussion.